Artikel  und  Kolumnen  2018

 
 
 

Meine Kolumne in der Serie "Unkommod"

in: "Ostschweiz am Sonntag" und "Zentralschweiz am Sonntag" am 28. Januar 2018

 

Billag - eine Demokratie-Gebühr

Stimmlokale sind keine Frust-Deponien. Ein NEIN zur No-Billag-Initiative ist ein JA zur Demokratie.

 
 
 

 
 

Dass dann und wann jemand keine Billag-Gebühren zahlen will, leuchtet ein, wenn etwa in Radio-Nachrichten den grotesken Tweets von Trump mehr Raum geschenkt wird als relevanten nationalen Themen. Wenn es aber um die No-Billag-Abstimmung vom 4. März geht, muss man von gelegentlichen persönlichen Frustrationen über einzelne Sendeinhalte abstrahieren. Reklamationen sind bei der Beschwerdestelle und beim Presserat zu deponieren und nicht im Stimmlokal.

Dass die Medien-Killer-Initiative überhaupt zustande kam, ist bedenklich. Der Wert von qualifizierten und unabhängigen Nachrichten wird untergeschätzt. Weil uns permanent Gratis-News auf dem iPhone anstupsen, ist vielen nicht mehr plausibel, warum man für Medienprodukte überhaupt noch etwas bezahlen soll. Als Kind durfte ich im Wohnzimmer nur flüstern, wenn «Rendez-vous am Mittag» und «Echo der Zeit» ausgestrahlt wurden. Nachrichten hatten den Stellenwert von Sonntagspredigten.

     Argument Nummer 1 für ein NEIN zu No-Billag ist die Notwendigkeit von möglichst vielfältigen, objektiven und politisch unabhängigen Informationen. Je öfter Politiker sich mit ihren Tweets zu Laien-Journalisten erheben, desto wichtiger werden kritisch recherchierende Medien als Kontrollinstanzen. Nicht nur in den USA und in Italien besitzen Politiker Fernseh- und Radiostationen. Auch in der Schweiz kaufen politische und wirtschaftliche Potentaten ganze Redaktionen auf. Demokratisch tickende Bürger zahlen lieber Gebühren für öffentliche Sender, die nerven, als private Sender zu konsumieren, die nur eine einzige Meinung zulassen.

     Grund Nummer 2 für ein Nein zur Billag-Initiative ist die darin enthaltene Forderung, dass der Bund in Friedenszeiten keine eigenen Radio- und Fernsehstationen betreibt. Das ist so sinnvoll wie die Forderung, dass der Bund nur im Kriegsfall eine Armee betreiben darf. Wenn ein Krieg, ein Atomunfall oder ein schweres Erdbeben geschehen, dauert der Aufbau einer SRG Jahre.

     Drittens ist die No-Billag-Initiative ein Schlag gegen die Solidarität mit den kulturellen Minderheiten in der Schweiz. Die Redaktionen in der italienischen und in der rätoromanischen Schweiz erhalten pro Bewohner 5 bis 6 Mal so viel Billag-Gebühren wie die Redaktionen der deutschsprachigen Schweiz. Ein NEIN zur No-Billag-Initiative ist darum ein JA zum nationalen Zusammenhalt und zu den kulturellen Minderheiten.

     Viertens würden ohne die SRG viele Werbegelder von Schweizer Unternehmen ins Ausland fliessen. Zahllose Stellen im Medien- und im Werbebereich würden in der Schweiz verschwinden.

     Schliesslich ermöglicht die SRG Künstlern und Kulturinstitutionen, dass sie ihre Talente landesweit und über die Grenzen hinaus zum Besten geben. Von der Volksmusik über das Kabarett bis zum Spielfilm hat die SRG zahllosen Talenten zum Erfolg verholfen und so das positive Image der Schweiz im Ausland gestärkt. Ohne SRG wären Emil und DJ Bobo, Hazel Brugger und Mike Müller nicht über Luzern, Zürich und Olten hinaus bekannt geworden. Die Billag-Gebühren geben auch morgen noch Schweizer Künstlern die Chance, unsere Kultur und unser Land zu prägen.

     Darum NEIN zu No-Billag.

 
 
 

 
 
 

Meine Kolumne in der Serie "Unkommod"

in: "Ostschweiz am Sonntag" und "Zentralschweiz am Sonntag" am 25. Februar 2018

 

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